Anreise nach Petauke

Lusaka: Inzwischen bin ich bereits mehrere Tage hier, als ich mich auf einmal schlecht fühle. Die ganze Nacht kämpfe ich mit Fieber. Nach 24 Stunden ist alles vorbei. Möglicherweise auch aufgrund der Malaria-Medikamente, die ich direkt genommen habe. Inzwischen ist auch Julien in der Stadt angekommen. Vor mehr als einem Jahr habe ich den Fahrradfahrer aus der französischen Schweiz in Angola getroffen. Jetzt kreuzen sich unsere Wege erneut. Gemeinsam fahren wir auf der gut ausgebauten Straße nach Petauke. Dort beginnt die berühmte „Old Petauke Road“. Beinahe jeder Reiseradler, der durch Sambia fährt, kennt diese Straße.

Old Petauke Road

Der erste Tag ist noch relativ einfach. Es geht mehr bergab als bergauf. Die Schotterpiste ist in gutem Zustand und wir können sie beinahe durchgehend befahren. Heute bleibt uns das Schieben erspart. Wir durchqueren viele kleine Dörfer mit Kindern, die uns nach Süßigkeiten fragen. Ein untrügliches Zeichen, dass wir nicht die einzigen Radfahrer sind, die hier durchgekommen sind. Die Nacht verbringen wir bei „seiner Königlichen Hoheit“, dem Chef der Region. Wie es sich für einen solchen gehört, hat er einen großen Palast, einen beinahe noch größeren Fernseher und die beste Internetverbindung in der Umgebung dank Starlink.

In den Wildlife Korridor

Am nächsten Morgen machen wir uns früh auf den Weg und verewigen uns nach wenigen Kilometern im „Gästebuch“ der örtlichen Ranger. Ab hier wird es interessant. Auf den nächsten etwa 80 Kilometern besteht die Möglichkeit, wilden Tieren zu begegnen. Die Straße nimmt an Qualität ab. Manchmal fahren wir nur auf einem kleinen Single-Trail. Ebenso nimmt der Sand an manchen Stellen zu unserer Frustration zu, sodass wir einige, wenige Male sogar schieben müssen. Die Anwesenheit von Elefanten wird durch große Haufen Kot auf und neben dem Weg deutlich. Wilde Tiere begegnen uns heute allerdings nur auf dem Teller. In einem kleinen Dorf serviert man uns Flusspferd-Fleisch. Vor kurzem wurde eines der Tiere von einem Jagdtouristen erschossen. Das Fleisch bleibt bei der lokalen Bevölkerung. Nur wenige Kilometer weiter schlagen wir unser Zelt im Malama Umoyo Bush Camp des walisischen Besitzers Chris auf. Solange keine anderen Touristen die teuren Chalets besetzen, ist es möglich, zu campen. Unser Platz zum Campen ist auf Anraten von Chris in Absprache mit den Einheimischen direkt an der Klippe zum Luangwa-Fluss. Da die Elefanten Höhenangst haben und sich nicht hierher trauen – und die Löwen laufen lieber auf dem kleinen Pfad. Ein spektakulärer Sonnenuntergang wie auch Aufgang am nächsten Morgen ist inklusive. Die Flusspferde baden im Fluss. Der Busch um uns herum lebt. Es fühlt sich beinahe an, wie bei Jurassic Park.

Die Wilde Tierwelt

Nach einer ruhigen Nacht ohne Löwen oder Elefanten machen wir uns auf den Weg in das 50 Kilometer entfernte Mfuwe. Schon bald fallen uns die ersten Spuren von Tieren, auf der nun wieder besser befahrbaren Straße vorbei an den teuren Lodges, auf. Löwen, Elefanten, Giraffen und Antilopen scheinen hier, den Fußabdrücken nach zu urteilen, regelmäßig die Schotterstraße zu überqueren. Wir erleben Elefanten, die mehrere hundert Meter von uns entfernt, über die Straße laufen. Wir bekommen heute noch mehr davon zu Gesicht. Glücklicherweise in genügend Abstand neben der Straße. Löwen bekommen wir keine zu Gesicht – aber sie haben wahrscheinlich schon lange Kenntnis von unserer Durchfahrt. Dafür treffen wir einige Tsetsefliegen. Die kleinen Biester schaffen es sogar, durch Kleidung zu beißen. Die schmerzhaften Stiche jucken auch noch zwei Tage später. Ohne weitere Zwischenfälle erreichen wir wenig später das Wildlife-Camp in Mfuwe. Das Camp trägt seinen Namen zu Recht. Mehrere Male laufen Elefanten durch das Camp, manch einer begegnet beim nächtlichen Toilettengang sogar Löwen. Der Blick über den Luangwa fühlt sich beinahe an, wie in einem Film von National Geographic.

Abschied

Letztendlich bleiben wir drei Tage hier. Das liegt auch daran, dass meine Malaria aus Lusaka wiederkommt und mich mehrere Tage beschäftigt. Von Fieberträumen, über einen erhöhten Ruhepuls bis zu wenig Appetit ist alles dabei. Dafür isst Julien für zwei Personen während der Pause.  Erst nach drei weiteren Tagen in einem anderen nahen Camp, kann ich endlich wieder erholt weiterfahren. Künftig muss ich alles wieder alleine machen. In Chipata trennen sich die Wege von Julien und mir wieder. Knapp drei Wochen waren wir gemeinsam unterwegs. Es war eine lustige Zeit. Und sie hat mir noch einmal eine andere Art des Reisens gezeigt. Anstatt Wildcamping ist er mit seiner offenen und witzigen Art in Krankenhäuser und zu Kirchen gegangen und hat uns oft einen schönen Platz zum Zelten organisiert. Manchmal sogar mit einer heißen Dusche. Er fährt weiter nach Malawi, für mich geht es weiter in den Südwesten des Landes.

Hilfreiche Informationen

Die Route: komoot ridewithgps
Unser Campingplatz in Mfuwe/South Luangwa: Wildlife Camp (Camping – 15 US-Dollar pro Person)


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